Timo Wirges

Fachkrankenpfleger Intensivpflege/ Anästhesie

 

„Manchmal bin ich erstaunt, was die moderne Medizin alles möglich macht. Ich bin sehr gerne Teil davon."

Wer auf die Intensivstation kommt, braucht vor allem eins: Sicherheit. Timo Wirges arbeitet im Krankenhaus Buchholz auf der Intensivstation und in der Anästhesie. Er hat die zweijährige Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie absolviert. Fachwissen, Verantwortung und die Nähe zu Menschen in ihren verletzlichsten Momenten: das macht seinen Beruf für ihn aus.


Was sind deine wichtigsten Aufgaben?
Das ist von Tag zu Tag sehr unterschiedlich. Der wichtigste Aspekt für mich ist immer, für die Sicherheit der Patient:innen zu sorgen und sie engmaschig zu überwachen. Ich beobachte Vitalwerte, erkenne Veränderungen frühzeitig und reagiere darauf. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit allen anderen Berufsgruppen, Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapie, Sozialdienst und vielen mehr. Jede bringt ihr Fachwissen ein, damit wir gemeinsam das bestmögliche Ergebnis für den Menschen erreichen, der bei uns liegt.

Warum hast du dich für die Pflege entschieden?
Das klingt ungewöhnlich, aber ich habe einmal nachts davon geträumt. Erst dachte ich, das kannst du doch nicht machen. Aber es hat mich nicht mehr losgelassen. Nach dem Abitur habe ich ein Jahr in einem Flüchtlingsheim gearbeitet und nebenbei ein zweiwöchiges Praktikum im Krankenhaus gemacht. Danach stand für mich fest: Das ist mein Weg.

Was hat dein Interesse an der Intensivpflege geweckt?
Während der Ausbildung hatte ich einen Einsatz auf der Intensivstation. Eigentlich wollte ich unbedingt in die Notaufnahme. Aber dann stand ich dort zwischen all den Geräten, jeden Tag etwas Neues, und wusste sofort: Das ist der richtige Ort für mich. Ich habe mich da direkt richtig gefühlt.

Was unterscheidet die Intensivpflege von anderen Pflegebereichen?
Wir sind das Notfallteam im Haus und haben dadurch die Möglichkeit, in viele Bereiche hineinzuschauen. Es kann jederzeit ein Schockraumalarm kommen, wir werden auf eine Station gerufen oder in den Kreißsaal, wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt. Das verlangt viel ab, weil man in so vielen unterschiedlichen Bereichen arbeiten muss, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Außerdem betreuen wir auf der Intensivstation wenige Patient:innen gleichzeitig, dafür sehr engmaschig. Für mich ist genau das etwas Besonderes, es macht mir Freude.

Was verändert sich für Patient:innen, wenn sie gut begleitet werden?
Wer bei uns liegt, befindet sich in einer sehr angespannten Situation. Das Wort Intensivstation ist erst einmal beängstigend. Viele sind verunsichert und angespannt. Wenn sie sich dann gut aufgehoben fühlen und kleine Erfolge sehen, ist das unsagbar viel wert. Es fördert die Genesung. Sicherheit und Vertrauen merkt man sofort.

Welchen Stellenwert haben Angehörige?
Einen sehr wichtigen. Für die Patient:innen sind wir alle fremd. Vieles erleben sie ohne vertraute Gesichter um sich. Wenn dann jemand kommt, den sie kennen, fühlen sie sich gesehen und nicht allein gelassen. Wir geben unser Bestes, aber Angehörige können wir niemals ersetzen.

Was ist besonders herausfordernd?
Das meiste kann ich gut ausblenden, das ist mit der Zeit Routine geworden. Aber es gab Situationen, in denen Kinder sich von einem Elternteil verabschieden mussten. Das war noch einmal ein ganz anderes Level emotionaler Belastung. Privat spreche ich eigentlich kaum über meine Arbeit, weil viele gar nicht nachvollziehen können, was ein besonders fordernder Dienst mit mehreren Notfällen wirklich bedeutet.

Was fasziniert dich noch immer?
Manchmal habe ich drei, vier Tage frei und erlebe in der Zeit unglaublich viel. Wenn ich dann zurückkomme, liegt derselbe Mensch noch immer im selben Bett und kämpft weiter um seine Genesung. Das macht mich nachdenklich und dankbar zugleich. Und immer wieder bin ich erstaunt, was die moderne Medizin möglich macht.

Gibt es einen Moment, der dir für immer im Kopf bleibt?
Während Corona hatte ich über viele Tage denselben Patienten betreut. Später hat er sich noch einmal bei mir gemeldet, um sich persönlich zu bedanken. Durch die Sedierung konnte er sich an vieles nicht mehr erinnern und hatte noch viele Fragen. Dass er sich extra die Zeit genommen hat, um Danke zu sagen, ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.

Was hat sich durch deine Spezialisierung verändert?
Die Fachweiterbildung hat mir den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Ich weiß in Notfallsituationen schneller, was zu tun ist. Und ich habe durch Einsätze in verschiedenen großen Kliniken gesehen, dass wir hier in Buchholz erstaunlich viel abdecken. Wir arbeiten mit einem breiten Spektrum an Geräten und Krankheitsbildern. Nach sieben Jahren habe ich breite Erfahrungen gesammelt, die mir in den meisten Situationen Orientierung geben. Das gibt mir Sicherheit.

Was magst du an deiner Rolle am meisten?
Wenn junge Kolleg:innen mich um Rat fragen, erkenne ich mich selbst wieder, weil ich vor sieben Jahren genau dasselbe wissen wollte und genauso dankbar war, wenn mir jemand geduldig etwas erklärt hat. Ich helfe gerne weiter, gebe mein Wissen zu Medikamenten, Geräten oder schwierigen Situationen weiter und nehme mir dafür auch bewusst Zeit. Es macht mich zufrieden zu sehen, wie sich jemand durch dieses Wissen sicherer fühlt. Und es erinnert mich daran, wie viel ich selbst in den letzten Jahren gelernt habe.

Würdest du deinem jüngeren Ich raten, diesen Weg zu gehen?
Ja, ganz klar. Auf einer Intensivstation mit so vielen unterschiedlichen Bereichen kann man enorm viel lernen, von verschiedensten Menschen. Man braucht etwas mehr Zeit, weil wir nicht jede Falllage täglich haben. Aber man leistet hier sehr viel und wächst mit jeder Aufgabe.

Was würdest du Kolleg:innen mitgeben, die über eine Spezialisierung nachdenken?
Pflege ist so vielfältig. Wir brauchen spezialisierte Pflegekräfte in unterschiedlichen Bereichen, für das Patientenwohl und für die Kolleg:innen. Wenn man einen Bereich gefunden hat, der einen wirklich interessiert, sollte man sich dort weiterbilden. Man hat nie ausgelernt. Genau das macht diesen Beruf jeden Tag aufs Neue spannend.

 

Founded by the European Union
Zertifikat 1
Zertifikat 2
Zertifikat 12
Zertifikat 6
Zertifikat 7
Zertifikat 8
Zertifikat 9
Zertifikat 11
Zertifikat 13
Zertifikat 15
Zertifikat 16
Zertifikat 18
Zertifikat 19
Zertifikat 20
Zertifikat 21
Zertifikat 22