Informationen für Angehörige

Als Angehörige sind Sie jederzeit zu Besuchen willkommen. Gern beraten wir Sie, wie Sie diese besondere Situation bewältigen und Ihre Angehörigen unterstützen können.

 

Während eines Krankenhausaufenthalts kann es vorkommen, dass Patientinnen und Patienten in eine akute Verwirrtheit geraten, diesen Zustand nennt man Delir. Die Betroffenen leben zeitweise in ihrer eigenen Welt und können das, was Ärzte,
Pflegende und die Besuchenden erzählen, nicht wirklich einordnen.
Mit den folgenden Informationen wollen wir Ihnen dabei helfen, diesen Zustand besser nachvollziehen zu können.  Sie können mit Ihrem Besuch zum Wohlbefinden und zur Genesung Ihres Angehörigen oder Bekannten beitragen.
 

Was verursacht oder begünstigt ein Delir?

Verletzungen oder Erkrankungen wie zum Beispiel Infektionen oder Stoffwechselstörungen Schmerzen Krankenhausaufenthalt
Gewisse Medikamente, auch wenn sie bereits jahrelang eingenommen wurden Nahrungs- und Flüssigkeitsmangel Stress/Reizüberflutung (beispielsweise unvertraute Krankenhauslumgebung, umfangreiche Untersuchungen/Therapien, unbekannte Personen, Geräusche) Absetzen von Nikotin, Alkohol, Drogen oder regelmäßig eingenommenen Schlafmitteln Probleme beim Wasserlassen und Verstopfung
Beeinträchtigung der Wahrnehmung (zum Beispiel fehlende Brille, Hörgerät) Ein Delir kann in jedem Alter auftreten. Kinder und ältere Menschen (vor allem jene mit vielen Begleiterkrankungen oder einer
Demenz) sind besonders anfällig dafür. Auch der Schweregrad der akuten Erkrankung hat Einfluss auf die Entwicklung eines Delirs. So ist das Delir beispielsweise eine häufige Komplikation bei Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation und nach Operationen.

 

Wie erleben Betroffene das Delir?

Der akut verwirrte Mensch spürt oft, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Trotzdem erlebt er seinen Zustand als real. Deshalb verhält er sich vielleicht unabsichtlich nicht immer der Situation entsprechend. Er braucht sanfte Unterstützung und viel Verständnis, um in die Realität zurückzufinden. Manch ein Patient erinnert sich später an das erlebte Delir. Hier können aufklärende Gespräche gegen mögliche Schuld- und Schamgefühle helfen.

 


Wie wird ein Delir behandelt?

Bei einem Delir versuchen wir, die zugrunde liegende Ursache herauszufinden. Sind zum Beispiel eine Blasenentzündung oder Schmerzen vorhanden, behandeln wir diese gezielt mit Medikamenten. Zusätzlich achten wir darauf, störende Umgebungsfaktoren soweit als möglich zu minimieren.
Wir organisieren fehlende Orientierungshilfen wie Uhr und Kalender oder Brille und Hörgerät. Es ist uns ein Anliegen, dass Ihre Angehörige oder ihr Angehöriger so wenig wie möglich unter den genannten Veränderungen leidet. Der Austausch mit Ihnen ist für uns daher in dieser Situation besonders hilfreich. Für uns ist besonders wichtig zu wissen, ob sich das Verhalten in den letzten Tagen bis maximal 1–2 Wochen verändert hat. Ein regelmäßiger Konsum von Schlafmitteln, Alkohol oder Drogen sollte dem Fachpersonal mitgeteilt werden. Dies sind
wichtige Informationen, welcheAnpassungen in der Behandlung ermöglichen.

 

Wie verhalte ich mich während des Besuchs?

Besuche von Angehörigen und Freunden sind wichtig. Sie vermitteln Sicherheit in der fremden Umgebung. Menschen im Delir können einen Besuch unter Umständen anders erleben als die Besuchenden selbst. Aus unserer Erfahrung haben sich folgende Vorgehensweisen bewährt:

  • Menschen im Delir haben Probleme mit der Aufmerksamkeit. Es strengt sie an, einem Gespräch zu folgen. Manche Patientinnen und Patienten reagieren darauf mit Unruhe oder Gereiztheit. Andere beginnen zu weinen oder äußern den Wunsch, nach Hause gehen zu wollen. Weil das Aufnahmevermögen des Patienten im Delir verringert ist, können viele Besuchende zur gleichen Zeit zu einer Überforderung führen. Deshalb empfehlen wir Ihnen, nicht mehr als eine Begleitperson zum Besuch mitzubringen.
  • Menschen im Delir haben Schwierigkeiten, sich für etwas zu entscheiden. Bei Mehrfachfragen („Möchtest Du Kaffee, Tee oder Wasser?“) sind sie überfordert. Fragen Sie direkt: „Möchtest du einen Kaffee?“. Diese einfachen, geschlossenen Fragen kann die Patientin oder der Patient mit Ja oder Nein beantworten.
  • Menschen im Delir ermüden schneller. Trotzdem kann es für den betroffenen Menschen sehr wohltuend sein, wenn Sie bei ihm sitzen und ihm Gesellschaft leisten.

 

Zur Unterstützung Ihres Angehörigen können Sie Folgendes beitragen:

  • Ihr Angehöriger kann sich besser mitteilen, wenn er die dritten Zähne oder alltägliche Hilfsmittel wie Brille oder Hörgerät trägt.
  • Ihre Anwesenheit ist für uns sehr wertvoll. Melden Sie sich bitte vor und nach Ihrem Besuch bei den Pflegenden. So können wichtige Informationen ausgetauscht und Fragen geklärt werden.

 

Wie kann ich meinen Besuch gestalten?

  • zusammen spazieren (in Absprache mit den Pflegenden)
  • Tätigkeiten übernehmen wie Haare waschen, eine Maniküre durchführen, rasieren, gemeinsam essen (in Absprache mit den Pflegenden)
  • gemeinsam ein Bilderbuch oder eine Zeitschrift anschauen
  • zusammen fernsehen (geeignet sind Tierfilme, ungeeignet sind Nachrichten oder Actionfilme)
  • zusammen Musik hören
  • etwas vorlesen
  • zusammen schweigend dasitzen und die Hand halten

Eine akute Verwirrtheit, auch Delir genannt, zeigt sich als eine von einem auf den anderen Tag auftretende Veränderung im Verhalten der Patientinnen und Patienten. Wahrnehmung, Erkennung, Denken, Bewusstsein und Handeln sind über Tage verändert. Häufig berichten Angehörige, dass sie den Menschen so nicht kennen. Das veränderte Verhalten bildet sich in der Regel wieder zurück.

 

Folgende Zeichen können bei den Betroffenen erkennbar sein:

  • Veränderung in der Aufmerksamkeit, leichte Ablenkbarkeit
  • Vergesslichkeit oder Zunahme einer bereits vorhandenen Vergesslichkeit, bereits Gesagtes muss immer wieder wiederholt werden
  • Unstrukturierter und unlogischer Gedankengang, unpassende Antworten auf Fragen
  • Desorientiertheit oder Zunahme einer bereits vorhandenen Desorientiertheit: Nicht wissen, wo und/oder wer man ist, welcher Tag heute ist oder was um einen herum geschieht
  • Angst oder sich bedroht fühlen Aufgewühlt-Sein oder Aggressionen
  • Unruhe oder Regungslosigkeit und Teilnahmslosigkeit
  • Wechsel zwischen einem klaren und einem verwirrten Zustand
  • Wechsel zwischen einem schläfrigen und übererregten Zustand
  • Sehen, hören oder riechen von Dingen, die nicht da sind oder bekannte Personen mit anderen Namen ansprechen oder nicht mehr erkennen

 

Wir wünschen Ihnen in dieser Situation viel Kraft und Ihrer oder Ihrem Angehörigen baldige und gute Besserung.

 

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