Sabine Mühlich

Onkologische Fachpflegekraft

„Ich denke nicht mehr, ich will Wochenende und dann kann ich leben. Jeder Tag zählt."

Sabine Mühlich arbeitet im onkologischen Fachpflegeteam im Krankenhaus Buchholz. Sie ist Ansprechpartnerin für alles, was rund um onkologische Erkrankungen anfällt. Mit 46 Jahren hat sie eine zweijährige Fachweiterbildung gemacht. Ihr Antrieb war es, zu verstehen, was Patient:innen durchmachen, und zu wissen, wie sie ihnen wirklich helfen kann.


Was sind deine wichtigsten Aufgaben?

Meine Aufgaben sind sehr breit gefächert. Ich betreue Strahlentherapiepatient:innen, verabreiche stationäre Chemotherapien, begleite Patient:innen mit neuen Diagnosen und unterstütze bei der Symptomkontrolle. Ich lege Portnadeln und leite ärztliche Kolleg:innen dabei an. Und ich berate bei Ernährung, Medikamenteneinnahme, Nebenwirkungen. Es ist viel Begleitung, viel Erklären, viel Zuhören.

Welche Qualifikationen bringst du mit?

Angefangen habe ich hier als Stationsleitung auf einer internistischen Station mit vielen onkologischen Patient:innen. Der tägliche Kontakt mit schwer kranken Menschen hat mich angetrieben, mehr zu wissen. Ich habe die onkologische Fachweiterbildung mit Palliative Care gemacht, dazu die Schmerzpflege-Weiterbildung und die Praxisanleitung.

Was hat dein Interesse an der Spezialisierung geweckt?

Ich habe Patient:innen erlebt, die stark unter Nebenwirkungen gelitten haben, und ich wusste nicht, wie ich ihnen besser helfen kann. Ich wollte verstehen, was ich tue. Dann hing am schwarzen Brett ein Aushang zur onkologischen Fachweiterbildung. Ich habe mich beworben. Mit 46. Zwei Jahre, viele Stunden, viel Freizeit und weniger Zeit für die Familie. Aber ich habe es nicht bereut.

In welchen Situationen bist du besonders gefragt?

Für die Teams bin ich gefragt, wenn es um Chemotherapie geht, um Schmerzpumpen, um Notfallsituationen. Für die Patient:innen bin ich vor allem dann wichtig, wenn sie verstehen wollen, was mit ihnen passiert. Und wenn sie jemanden brauchen, dem sie vertrauen können.

Was verändert sich für Patient:innen durch eure Begleitung?

Sie sind sicherer. Sie wissen, wann sie sich melden müssen, wie sie ihre Medikamente einnehmen, worauf sie achten sollen. Genauso wichtig ist Offenheit. Viele Patient:innen spielen Nebenwirkungen zunächst herunter. Aber wer früh Bescheid gibt, kann früh behandelt werden. Das macht einen echten Unterschied im Verlauf der Therapie.

Welche Rolle spielt Beratung in deiner Arbeit?

Eine sehr große. Damit Patient:innen gut durch die Therapie kommen, brauchen sie Informationen, die sie wirklich verstehen. Ernährung, Medikamente, Nebenwirkungen, was zu Hause zu tun ist. Und manchmal geht es auch darum, Unsicherheiten auszuräumen, die entstehen, wenn man zu viel im Internet sucht. Das gehört genauso dazu.

Mit welchen Berufsgruppen arbeitest du besonders eng zusammen?

Mit der Pflege, der Strahlentherapie und den Ärzt:innen. Wir besprechen gemeinsam die Patient:innen, ich bringe meine Expertise ein. Die kurzen Wege in unserem Haus helfen dabei sehr.

Was ist besonders herausfordernd?

Die jungen Patient:innen. Ich komme selbst in ein Alter, wo Krebs auch im eigenen Umfeld vorkommt. Bei Freund:innen, bei Kolleg:innen. Das geht nah. Ich hatte eine Kollegin, die hier behandelt wurde. Wir haben Kontakt gehalten, ich war zum Kaffee eingeladen. Dann kam die Nachricht, dass sie verstorben ist. Ich war bei der Beerdigung. Das vergisst man nicht.

Was hilft dir dabei?

Gespräche mit Kolleg:innen. Und zu Hause mit meinem Partner. Wenn man seine Gefühle mitteilen kann und jemand zuhört, ist das meistens schon ausreichend. Ich habe gelernt: Ich gebe alles hier und tue was ich kann. Aber ich kann die Erkrankung nicht verändern. Das hat mir geholfen, loszulassen.

Was hat sich durch deine Spezialisierung verändert?

Fachlich bin ich selbstständiger geworden, habe ein anderes Auftreten. Ich werde ärztlicherseits geschätzt und gehört. Das gibt ein gutes Gefühl. Aber die Spezialisierung hat auch meinen Blick auf mein eigenes Leben verändert. Man arbeitet täglich mit Menschen, die kämpfen, die hoffen, die manchmal nicht mehr nach Hause kommen. Das lässt einen nicht kalt. Ich denke nicht mehr: „Diese Woche überstehen und dann endlich Wochenende“. Jeder Tag hat einen Wert. Das sehe ich hier jeden Tag und versuche, es auch so zu leben.

Woran merkst du, dass deine Begleitung einen Unterschied macht?

Wenn Patient:innen sagen, ich habe alles gut verstanden. Wenn sie sagen, ich würde jederzeit wiederkommen. Dann fahre ich zufrieden nach Hause. Und kann mir selbst sagen, das hast du gut hingekriegt.

Was würdest du Kolleg:innen mitgeben, die über eine Spezialisierung nachdenken?

Ich würde zuerst fragen, was sind deine Interessen, wo siehst du dich? Und dann sagen: Unbedingt machen. Es gibt so viele Bereiche in der Pflege. Für jeden ist etwas dabei. Und die Patient:innen können nur davon profitieren.

 

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