Izabel Rothweiler

Pflegefachkraft Notfallpflege

 

„Ich komme zum Dienst und weißt nicht, was passiert. Genau das liebe ich.“

Wenn die Türen der Notaufnahme aufgehen, beginnt sofort die Arbeit. Izabel Rothweiler kennt das seit vielen Jahren. Sie arbeitet seit 2015 in der zentralen Notaufnahme im Krankenhaus Buchholz, war die erste im Haus mit der Fachweiterbildung Notfallpflege und ist heute Teil der Leitungsstruktur. Die Notaufnahme ist häufig die Eingangshalle des Krankenhauses. Wer hier ankommt, ist oft in einer Ausnahmesituation. Das verlangt nicht nur Fachkenntnis, sondern vor allem Empathie. Was Izabel antreibt: jeden Tag aufs Neue nicht wissen, was kommt. Und trotzdem immer bereit sein.


Was sind deine wichtigsten Aufgaben?

Wenn Patient:innen bei uns in der Notaufnahme ankommen, beginnt sofort die Arbeit. Wir kümmern uns, nehmen sofort Blut ab, schreiben ein EKG, versorgen Wunden, schauen uns Verletzungen an. Parallel läuft die Kommunikation mit den Ärztinnen und Ärzten. Wir sehen häufig Dinge, die anderen nicht auffallen, weil wir am nächsten am Patienten sind. Am Ende steht entweder die Entlassung oder die Verlegung auf Station. Das alles passiert häufig parallel für mehrere Patient:innen gleichzeitig.

Was hat dein Interesse an der Notaufnahme geweckt?

Die Flexibilität. Ich komme zum Dienst und weißt nicht, was mich erwartet. Kein Tag ist wie der andere, keine gleichen Patient:innen. Dazu das riesige Fachspektrum: Neurologie, Innere, Chirurgie, alles in einem. Das fordert fachlich mehr als ein einzelnes Fachgebiet. Und es fordert einen auch persönlich, weil man ständig reagieren und sich anpassen muss.

Was unterscheidet deine spezialisierte Rolle?

Vorausschauendes Arbeiten. Durch die Fachweiterbildung habe ich mein Wissen in Bereichen wie EKG-Interpretation, Patientenbeobachtung und Notfallmanagement gezielt vertieft. Das verändert, wie schnell und wie gezielt man handelt. Es geht nicht nur darum, mehr zu wissen, sondern das Wissen im richtigen Moment anwenden zu können.

In welchen Situationen bist du besonders gefragt?

Bei der Anleitung jüngerer Kolleginnen und Kollegen. Fachwissen weitergeben, begleiten, mitnehmen. Und natürlich in komplexen Situationen, wo Erfahrung und Fachkenntnis den Unterschied machen.

Was verändert sich für Patient:innen durch eine gute Begleitung in der Notaufnahme?

Sie fühlen sich verstanden, angenommen und besonders ernst genommen. Wer zu uns kommt, ist in einer Ausnahmesituation. Auch wenn die Situation von außen manchmal weniger dringend wirkt: Für die Patient:innen ist es ein Notfall. Das muss man im Kopf behalten.

Was muss jemand mitbringen, um in der Notaufnahme gut zu arbeiten?

Flexibilität, Struktur, Empathie und Lernbereitschaft. Wir sind die Tür des Krankenhauses. Wie man hier behandelt wird, prägt den ersten Eindruck. Dazu braucht man eine gute Patientenbeobachtung, das lernt man nicht von heute auf morgen. Und Teamfähigkeit ist absolut entscheidend. Ohne Team funktioniert hier gar nichts.

Was ist besonders herausfordernd?

Die hohe Frequenz. Wenig Pausen, viel Druck und häufig acht Stunden funktionieren. Was mir hilft: Für fünf oder zehn Minuten wirklich einmal rausgehen. Einmal durchatmen. Das reicht oft schon. Und ich habe früh gelernt, die Arbeit an der Tür zu lassen. Wenn ich nach Hause gehe, nehme ich das nicht mit.

Du arbeitest seit vielen Jahren in der Notaufnahme Buchholz. Was fasziniert dich an deiner Arbeit noch immer?

In einigen Momenten tue ich etwas und sehe sofort, dass es wirkt. Die Patient:innen kommen in einer akuten Situation an, wir greifen ein und ihr Zustand verändert sich vor unseren Augen. Diese direkte Rückmeldung gibt es nicht immer. Aber wenn sie kommt, wird Selbstwirksamkeit sichtbar.

Was sieht man in der Notaufnahme, was andere nie sehen?

Ich sehe immer mehr ältere Menschen, die allein sind und sich keine ausreichende Versorgung leisten können. Das ist eine Realität, die viele nicht sehen. Und man sieht, wie fragil das Leben manchmal sein kann. Durch Corona ist mir das noch einmal sehr bewusst geworden. Das verändert einen.

Was hat sich durch deine Spezialisierung verändert?

Ich bin sicherer geworden. Im Umgang mit Patient:innen, im Umgang mit Situationen, im Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten. Die Fachweiterbildung hat mich wirklich weitergebracht, fachlich und persönlich. Ich weiß, dass ich 100 Prozent geben kann. Das gibt mir Zufriedenheit, die ich mit nach Hause nehme und die sich auch im Privatleben bemerkbar macht. Man verbringt viel Zeit auf der Arbeit. Es ist schön, wenn man das gerne tut.

Woran merkst du, dass du einen Unterschied gemacht hast?

Wenn Patient:innen dankbar sind. Wenn sie deine Hand halten und sich wirklich bedanken. In der Notaufnahme ist das nicht häufig, weil viele warten müssen und unzufrieden sind. Aber wenn es vorkommt, kommt es von Herzen. Und dann vergisst man es nicht.

Was würdest du Kolleg:innen mitgeben, die über eine Spezialisierung nachdenken?

Unbedingt machen! Es kostet Zeit und Kraft. Aber man kommt gestärkt raus. Mit mehr Wissen, mehr Sicherheit und einem anderen Blick auf die eigene Arbeit. Wenn die Möglichkeit da ist, nicht zögern!

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