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Wenn der Krebs die Denkzentrale erobert

Mit ihrer Beratung versteht es Neurologin Patricia von Cappeln, den Patienten einen Teil ihrer Sorgen zu nehmen und ihnen zu helfen, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen

Kaum etwas verunsichert Patienten so stark wie die Diagnose Hirntumor, weiß Patricia von Cappeln, neurologische Oberärztin im Krankenhaus Buchholz. Veränderungen im Denkorgan erzwingen wesentliche Umstellungen des Lebensstils. Patricia von Cappeln will Betroffene dabei unterstützen und bietet deshalb eine neuroonkologische Sprechstunde im Krankenhaus an. Sie schließt damit eine Versorgungslücke, die für diese Erkrankungsform vielfach noch besteht.

Rund 3.000 Mal pro Jahr wird in Deutschland ein Glioblastom festgestellt, ein Tumor, den das Gehirn selbst bildet. Noch wesentlich häufiger sind Metastasen im Gehirn, rund 20 bis 40 Prozent aller Patienten mit Krebsgeschwüren müssen damit rechnen. Meist gehen die Tochtergeschwülste aus von Lungenkrebs (40–50%), Brustkrebs (15–20%), Hautkrebs (5-20 %) sowie dem Nierenzellkarzinom (5–10%).

Wer in die neuroonkologische Sprechstunde kommt, weiß um seine Erkrankung. Aber oft nicht, wie er damit umgehen soll. In der Praxis von Hausarzt, niedergelassenem Neurologen oder Onkologen fehlt oft die Zeit, um sich der vielen Fragen der Patienten anzunehmen, berichtet Patricia von Cappeln.

Folgen eines Hirntumors können Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle sein. Dinge, die gestern noch geklappt haben, sind den Betroffenen plötzlich nicht mehr möglich. Manuelle Ungeschicklichkeit - unvermittelt fällt es schwer, sich die Jacke zuzuknöpfen oder die Haare zu kämmen – ebenso wie epileptische Anfälle belasten die Patienten.

Die Krankenhausärztin sieht ihre Aufgabe in erster Linie in der Beratung und längerfristigen Betreuung der Patienten in speziellen neurologischen Fragen. Dabei arbeitet sie eng mit der Praxis für Onkologie und der Strahlentherapie am Krankenhaus Buchholz zusammen. „Erstdiagnosen stelle ich nur in Ausnahmefällen. Das Verschreiben von Medikamenten bleibt in der Hand der Onkologen und Hausärzte“, sagt sie. Vielmehr hilft sie Patienten und deren Angehörigen, mit den vielen Herausforderungen fertigzuwerden, die mit der Diagnose auf sie einstürmen. „Wer betreut mich jetzt zu Hause?“, „Darf ich noch Auto fahren?“ „Welche Nebenwirkungen haben meine Medikamente und wie kann ich damit umgehen?“ – das sind Fragen, die Betroffene umtreiben.

Geduldig erklärt Patricia von Cappeln den Patienten, was in ihrem Gehirn passiert und welche Therapien möglich sind: in der Regel Bestrahlung und Chemotherapie, manchmal auch eine Operation in einem spezialisierten Zentrum. Ihre Erfahrung: Informierte Patienten kommen besser mit der Krankheit und möglichen Komplikationen zurecht. Und genau darum geht es der Neurologin. Nicht alle Hirntumoren sind heilbar. Ziel der Behandlung müsse es vielmehr sein, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. „Allein das Wissen darum, dass sie eine Ansprechpartnerin für ihre speziellen Fragen haben, nimmt den Patienten schon viel Druck“, so die Ärztin.

*Anmeldungen zur neuroonkologischen Sprechstunde im Sekretariat der Neurologie des Krankenhauses Buchholz unter Tel. 04181- 131601.

Foto: Krankenhaus Buchholz

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