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Wenn der Hals plötzlich anschwillt

BU: Glücklich über die erfolgreiche Operation: (v.l.) Oberärztin Astrid Schmidtke, Silvia Koch, Chefarzt Dr. Michael Scheruhn

Schau’n Sie mal, ruft Silvia Koch begeistert. „Gestern hatte ich da noch eine riesige Kugel und heute habe ich einen richtigen Schwanenhals.“ Einen Schwanenhals mit Pflaster, das eine vier Zentimeter lange, frische Narbe oberhalb der Kehlgrube bedeckt. Nur einen Tag vorher ist Silvia Koch im Krankenhaus Buchholz operiert worden. Dr. Michael Scheruhn, Chefarzt der Chirurgie, und Oberärztin Astrid Schmidtke haben der 48-jährigen Seevetalerin die Schilddrüse entfernt. Die Diagnose: eine gutartige Gewebswucherung.

Die Schilddrüse ist die Dirigentin des Körpers. Sie produziert Hormone, die Verdauung, Schlaf, Herztätigkeit und Fettstoffwechsel, ja sogar die Psyche beeinflussen. Da im gesamten Körper Rezeptoren für Schilddrüsenhormone verteilt sind, können sich schon kleinste Funktionsabweichungen des schmetterlingsförmigen Organs deutlich auswirken.

Etwa 30 Prozent aller Erwachsenen haben Knoten in der Schilddrüse, die meisten, ohne etwas davon zu bemerken. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Schilddrüsenknoten sind in den meisten Fällen harmlos. Sie entarten nur selten zu Krebs.

Ärzte unterscheiden zwischen kalten und heißen Knoten. Heiße Knoten sind stoffwechselaktiv. Sie erzeugen mehr Hormone als der übrige Teil der Schilddrüse. Das kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen. Vermehrtes Schwitzen und schneller Herzschlag sind dann typisch.

Kalte Knoten beeinflussen die Schilddrüsenfunktion dagegen nicht. Aber sie stören, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben. So war es auch bei Silvia Koch. Ihr Knoten wuchs immer weiter und drückte schließlich auf Kehlkopf und Luftröhre, was Räusperzwang, Schluckprobleme und Luftnot verursachte.

Die Hausärztin schickte Silvia Koch deshalb in das Krankenhaus Buchholz. Dort hat sich unter Leitung von Dr. Scheruhn ein multiprofessionelles Schilddrüsenzentrum etabliert, in dem über 100 Patienten pro Jahr behandelt werden. Dieses Zentrum verfügt als einziges in weitem Umkreis über eine Nuklearmedizin. Einer der führenden Experten der Nuklearmedizin, Professor Dr. Bernhard Leisner, hält im Krankenhaus Buchholz regelmäßig Sprechstunden ab und unterstützt das Schilddrüsenzentrum durch erweiterte Möglichkeiten der Diagnostik.

Zeigt eine Ultraschalluntersuchung, die auch Hausärzte durchführen können, eine auffällige Schilddrüse, führt Professor Leisner eine Szintigrafie durch. Dabei injiziert er den Patienten schwach radioaktives Jod. Stoffwechselaktive, „heiße“ Knoten reichern viel Jod an und leuchten in der Computerdarstellung in „heißen“ Rottönen, stoffwechselinaktives Gewebe dagegen schimmert in „kaltem“ Blaugrau. Während heiße Knoten medikamentös behandelt werden können, hilft bei kalten Knoten oft nur noch eine Operation.

Auch Silvia Kochs „Kugel“ war blau. Und so groß wie eine halbe Faust. Gemeinsam mit der Patientin entschied sich Dr. Scheruhn für die Operation und entfernte das Organ. Silvia Koch wird nun ein Leben lang Tabletten mit Schilddrüsenhormonen einnehmen müssen. Aber sie sieht das ganz gelassen und freut sich, dass sie schon bald wieder im Alltag durchstarten kann. Auf Schals, Tücher und hochgeschlossene Pullover wird sie dabei vermutlich bald verzichten. Denn sie hat ja jetzt einen „Schwanenhals“ zum Herzeigen.

 

 

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