Die beiden Pflegekräfte Meike Dembski und Sarina Okunek fahren im Juli zum Wacken Open Air. Sie sind die Gewinnerinnen der Aktion We Care Louder! der Krankenhäuser Buchholz und Winsen. Das Unternehmen hatte alle Pflegekräfte intern aufgerufen, sich mit kreativen Begründungen um zwei mal zwei Tickets zu bewerben. Für die Aktion kooperieren die Kliniken des Landkreises Harburg mit dem weltweit bekannten Metal-Festival. Doch hinter der Aktion steckt mehr als ein besonderes Festivalerlebnis. Das Projekt macht sichtbar, was im Klinikalltag oft ungesehen bleibt: dass auch in der Pflege viele Menschen arbeiten, für die Heavy Metal weit mehr ist als ein Musikstil. Mit der Aktion unterstützen die Krankenhäuser die individuellen Resilienzstrategien ihrer Mitarbeitenden und unterstreichen die Relevanz der mentalen Gesundheit.
Heavy Metal als mentale Ressource
Okunek und Dembski stehen stellvertretend für viele Pflegekräfte, die ihre Kraft aus Heavy Metal, der Szene-Gemeinschaft und der persönlichen Identität als Metalheads schöpfen. „Pflege ist ein unglaublich toller Beruf, aber er fordert auch jeden Tag viel – fachlich, körperlich und emotional. Für mich ist Metal ein Ventil, das mir hilft, nach einem anstrengenden Dienst wieder runterzukommen und den Kopf freizukriegen“, sagt Meike Dembski. Sie arbeitet in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Winsen. Seit ihrer Ausbildung zur Krankenschwester hält Dembski der Winsener Klinik die Treue, die ihr auch die Fachweiterbildung Notfallpflege ermöglichte. „Ich freue mich total auf Wacken, und darauf, diese Stimmung und Gemeinschaft dort endlich mal selbst zu erleben, von der immer alle erzählen“, sagt Dembski.
Darum lieben viele Pflegekräfte Metal
Pflege ist geprägt von Schichtdienst, hoher Verantwortung, Zeitdruck und emotional belastenden Situationen. Um in diesem Umfeld langfristig stabil und resilient zu bleiben, brauchen Pflegekräfte Kraft- und Regulationsquellen. Studienergebnisse belegen, dass im klinischen Umfeld energiereiche Musikstile wie Rock zu den am häufigsten genannten gehören, die zum Stressabbau genutzt werden. Warum das so ist, weiß der Psychologe Burkhard Gniewosz, Professor an der Universität Salzburg. Im Mai veröffentlichte er zusammen mit seinem Kollegen Jörg Zumbach das Buch „No Fear of the Dark - Eine Psychologie des Heavy Metal“.
„Gesundheitsberufe zählen zu den besonders stark belasteten Berufsgruppen. Entsprechend groß ist die Bedeutung von Programmen zur Gesundheitsförderung, Mental Care-Angeboten und Maßnahmen zur Burnout-Prävention“, führt Gniewosz aus. Ein Projekt wie We Care Louder! passt dazu exzellent, denn: „Menschen nutzen Musik aktiv zum Stressabbau und zur Regulierung negativer Emotionen. Besonders wirksam ist das, wenn die Musik einerseits den persönlichen Vorlieben entspricht und andererseits zu den Qualitäten der zu regulierenden Emotionen passt. Bei hoher Anspannung – wie sie in Stresssituationen typisch ist – braucht es entsprechend energiereiche Musik. Genau deshalb eignet sich Heavy Metal hier besonders gut“, so der Forscher.
Hinzu komme, dass die Heavy Metal-Community über einen ausgeprägten Gruppenzusammenhalt und ein starkes gegenseitiges Unterstützungsverhalten verfüge – ein weiterer Faktor, der für die Burnout-Prävention bedeutsam ist. Gniewosz: „Über Heavy Metal lassen sich nicht nur Anspannung und Stress abbauen, sondern auch ein soziales Netzwerk und soziale Ressourcen aufbauen. Diese wiederum können als zusätzliche Schutzfaktoren gegen die hohe Beanspruchung in Gesundheitsberufen wirken.“
Wertschätzung und Mental Health
Mit We Care Louder! nehmen die Krankenhäuser Buchholz und Winsen genau diese Perspektive ernst: Sie sehen Pflegekräfte nicht nur in ihrer professionellen Fähigkeit und Rolle, sondern auch als Menschen in ihrer subkulturellen Identität mit wirksamen Resilienzstrategien. „Unsere Pflegekräfte leisten jeden Tag Außergewöhnliches. Pflege ist ein herausfordernder Beruf, der eine hohe Resilienz erfordert. Mit ‚We Care Louder!‘ wollen wir die tägliche Leistung der Pflegekräfte besonders anerkennen und zugleich ihren Umgang mit den Belastungen des Berufs würdigen. Wir sehen unsere Pflegekräfte als Individuen auch jenseits von Dienstplan, Stationsalltag und Funktion. Darin liegt für uns die Stärke des Projekts.“, sagt Jan Bergstein, Mitglied der Pflegedienstleitung der Krankenhäuser Buchholz und Winsen.
Sarina Okunek, die zweite Gewinnerin der Festival-Tickets, ist ein Beispiel dafür, dass dieser Ansatz aufgeht. Sie arbeitet seit Januar als Pflegekraft auf den Intensivstationen beider Krankenhäuser. „Als ich den Aufruf zur Wacken-Aktion mitbekommen habe, war ich überrascht und habe mich extrem gefreut. Ich dachte: ‚Krass, dass ein Krankenhaus an uns Metalheads denkt!‘ Jetzt habe ich noch einen Grund mehr, warum ich gerne hier arbeite.“ Dass Okunek von ihrem Gewinn an ihrem Geburtstag erfuhr, ist für sie das Sahnehäubchen.
Begleitet wird die Aktion We Care Louder! von einer eigenen Landingpage und in den Social-Media-Kanälen der Krankenhäuser, die die Verbindung von Pflege und Metal vertiefen. Dort erzählen Sarina Okunek und Meike Dembski, was Metal für sie auch im Beruf bedeutet und verraten z.B., was die Gemeinsamkeit von Pflege und Moshpit ist.
Zur We Care Louder!-Landingpage.
We Care Louder! - Kooperationspartner:
Wacken Open Air (29.7.-1.8.2026)
Prof. Dr. Burkhard Gniewosz, Universität Salzburg
Den Sound zu We Care Louder! in Social Media liefert die Metalband GODSNAKE aus Hamburg. Ihr Sänger Torger Neuhaus lebt im Landkreis Harburg.
