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Punktgenau, hoch wirksam und schonend

m Bestrahlungsgerät: Tim Neumann von der urologischen Belegabteilung im Krankenhaus Buchholz (l.), und Dr. Günther Bohlen, Chefarzt der Strahlentherapie

Mit über 60.000 neuen Fällen jährlich ist der Prostatakrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Etwa zehn Prozent der Prostatakrebsleiden enden tödlich. Bei rechtzeitiger Diagnose ist der Krebs der Vorsteherdrüse jedoch gut zu behandeln. Im Krankenhaus Buchholz bieten Urologen und Strahlentherapeuten gemeinsam eine Therapieform an, die eine hochpräzise Zerstörung von Tumoren ermöglicht und trotzdem vergleichsweise wenig Nebenwirkungen hat.

Viele Männer tun sich schwer, bei Prostatabeschwerden zum Arzt zu gehen. Denn sie haben Angst vor Diagnose und Behandlung. „Doch längst nicht mehr jeder Prostatakrebs wird operiert“, erläutert Tim Neumann, einer der vier Belegarzt-Urologen im Krankenhaus Buchholz. Abwarten und beobachten, auch engmaschig überwachen, Hormontabletten, Chemotherapie und Bestrahlung lauten die Alternativen. Was für wen infrage kommt, so der Urologe, ist eine individuelle Abwägungssache.

Jüngeren Patienten raten Ärzte meist zur Prostataentfernung. Denn diese Patienten haben noch viele Lebensjahre vor sich und ein solcher Eingriff reduziert das Risiko für spätere Rückfälle. Für ältere Prostatakrebspatienten, insbesondere diejenigen mit Vorerkrankungen, sind Strapazen und Risiken eines solchen Eingriffs, der zu Impotenz und Inkontinenz führen kann, jedoch meist zu hoch. Die Goldmarker-gestützte bildgeführte Strahlentherapie (Image Guided Radiotherapy, IGRT), die im Krankenhaus Buchholz angeboten wird, ist dagegen auch für ältere Patienten gut verträglich.  

Die Prostata zielgenau zu bestrahlen war lange ein Problem. Denn das Organ bewegt sich hin und her, je nach Füllungsgrad von Blase und Darm, und ist unter dem Röntgengerät ohne spezielle Maßnahmen nicht sichtbar. Deshalb bringt Tim Neumann vor Beginn der Strahlenbehandlung bei einem kurzen operativen Eingriff mit einer dünnen Nadel kleine Goldpartikel in die Prostata der Patienten ein. Die ein mal drei Millimeter winzigen Partikel markieren die Lage der Prostata unter dem Röntgengerät und ermöglichen so eine punktgenaue und hochintensive Bestrahlung des Tumors bei weitestgehender Schonung des gesunden Gewebes.

Dennoch konnte es bei der bisherigen Behandlungsstrategie passieren, dass der Darm durch die Strahlen gereizt wurde und sich entzündete. Deshalb appliziert Neumann bei der Mini-OP auch ein Zwei-Komponenten Hydrogel zwischen Prostata und Enddarm. Dieses Hydrogel härtet im Körper innerhalb von acht Sekunden aus und fungiert als Abstandhalter - Spacer - der eine Barriere vor dem Enddarm bildet und die Strahlendosis am Enddarm merklich reduziert.

Diese Behandlungsstrategie ist ein Alleinstellungsmerkmal des Krankenhauses Buchholz. In fünf Jahren haben die Urologen im Krankenhaus Buchholz bereits bis zu 300 Patienten damit versorgt. Ernsthafte Nebenwirkungen und Spätfolgen sind bei keinem der Behandelten aufgetreten. Am Ende des Bestrahlungszyklus, nach drei Monaten, löst sich die Hydrogel-Barriere von selbst wieder auf.

Die Kooperation der Strahlentherapie unter der Leitung von Chefarzt Dr. Günther Bohlen mit den Urologen hat sich seit neun Jahren bewährt. Patienten aus ganz Nordostniedersachsen und aus Hamburg kommen ins Krankenhaus Buchholz. Allein im Corona-Jahr 2020 haben Urologen und Strahlentherapeuten gemeinsam im Krankenhaus Buchholz 120 Prostatapatienten mit der Goldmarker-gestützten Bestrahlungsmethode behandelt.

Auch Patienten, die Herzschrittmacher und Defibrillatoren tragen, sind im Krankenhaus Buchholz gut aufgehoben. In Zusammenarbeit mit der dortigen Medizinischen Klinik ist es möglich, während der Bestrahlung die korrekte Funktion der elektronischen Impulsgeber zu überwachen. Dies erhöht die Patientensicherheit. 

Im Vergleich zur radikalen Prostataentfernung sind die Erfolgsraten der Strahlenbehandlung mit der Goldmarkermethode in den ersten zehn Jahren durchaus vergleichbar, erläutert Dr. Bohlen.

 

 

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