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"Nicht aus Angst zu Hause bleiben"

Jedes Jahr erwischt es rund 200.000 Menschen in Deutschland, oft scheinbar aus heiterem Himmel: Sie erleiden einen Schlaganfall. Eine Hirnblutung oder eine plötzliche Minderdurchblutung des Gehirns löst Sauerstoffknappheit aus. In der Folge gehen pro Minute bis zu zwei Millionen Nervenzellen unwiederbringlich zugrunde. Der Schlaganfall ist nach wie vor eine der größten Gesundheitsgefahren. Jeder Vierte stirbt daran. Und wer ihn überlebt, hat oft ein Leben lang mit Behinderungen zu kämpfen.

Je schneller ein Patient behandelt wird, desto besser sind seine Aussichten. Um eine wohnortnahe Versorgung sicherzustellen, halten die Krankenhäuser Buchholz und Winsen zertifizierte Stroke Units bereit. Auch in Corona-Zeiten stehen in diesen Schlaganfall-Spezialstationen qualifizierte Ärzte zur Verfügung.  „Zögern Sie nicht, die 112 zu rufen, wenn sie Alarmzeichen an sich bemerken“, das sagen Dr. Felix Butscheid, Chefarzt der Neurologie im Krankenhaus Buchholz, denn die Folgen eines Schlaganfalls sind in der Regel sehr viel gravierender als die einer Corona-Infektion.“ Nichts ist dann schlimmer, als aus Angst vor einer Infektion zu Hause zu bleiben“, bestätigt Dr. Peer Spyra, Oberarzt für Neurologie und gemeinsam mit dem Kardiologen Oliver Dörner Leiter des Gefäßteams in der Stroke Unit Winsen.

Rund 1.000 Patienten jährlich werden in beiden Häusern wegen eines Schlaganfalls behandelt. Die meisten von ihnen sind deutlich über 70 Jahre alt. Doch schon junge Leute Ende zwanzig, Anfang dreißig können einen Schlaganfall erleiden, berichtet Dr. Butscheid. Stress, Wut, besondere sportliche Anstrengungen, aber auch Virusinfektionen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung können die akuten Auslöser sein. Die eigentlichen Ursachen entwickeln sich meist über Jahre. Übergewicht, Bewegungsmangel, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, aber auch Nikotin- und Alkoholgenuss fördern Bluthochdruck und Arteriosklerose: Kalk- und Fettablagerungen in den Gefäßwänden verengen die Blutgefäße. Entzündungen entstehen, die Blutgerinnsel begünstigen. Rund 80 Prozent aller Patienten erleiden einen Schlaganfall, weil ein solches Blutgerinnsel ins Gehirn geschwemmt wird und dort die Sauerstoffversorgung blockiert. Weitere 20 Prozent der Schlaganfälle gehen auf akute Gehirnblutungen zurück.

Ein wichtiger Risikofaktor im Zusammenhang mit dem Schlaganfall ist das Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, bei der der Herzmuskel ungleichmäßig pumpt. Dadurch können Blutgerinnsel in den Herzvorhöfen entstehen, die mit dem Blutfluss in das Gehirn wandern. Mindestens 30.000 Schlaganfälle jährlich gehen - so schätzen Experten - auf das Konto dieser häufig unerkannten Rhythmusstörung.

Der wichtigste Grundsatz bei der Behandlung des Schlaganfalls heißt: „time is brain“, Zeit ist Gehirnmasse. Die  Stroke Unit Buchholz ist deshalb rund um die Uhr mit einem neurologischen Team besetzt. Im Krankenhaus Winsen wird in den Nachtstunden per Telemonitoring zusätzliche Expertise von Neurologen des Universitätskrankenhauses Hamburg Eppendorf (UKE) eingeholt. In beiden Stroke Units stehen Computertomographen (CT) und Ultraschall bereit. Sobald der Patient mit dem Rettungswagen oder aus der Notaufnahme eintrifft, läuft eine standardisierte Untersuchungsroutine ab, die wertvolle Minuten spart und große diagnostische Sicherheit gibt. Nachweislich haben Patienten, die in einer Stroke-Unit behandelt werden, einen deutlichen Überlebensvorteil.

Mithilfe einer CT-Aufnahme des Gehirns erkennen die Ärzte, wo die Engstelle sitzt. Ist der Patient frühzeitig in die Klinik gekommen, ist es oft möglich, den Blutpfropf mit Medikamenten aufzulösen („Lyse“). Bei besonders großen Verschlüssen kann auch ein operativer Eingriff nötig werden, bei dem das Blutgerinnsel mit einer Art Fangkorb aus dem Gehirn geborgen wird.  Diesen Eingriff führt im Krankenhaus Buchholz tagsüber der Neuroradiologe Dr. Oliver Wittkugel durch. In der Nacht werden die Patienten aus dem Krankenhaus Buchholz für eine solche Operation in das Krankenhaus Hamburg-Altona, die aus Winsen in das UKE gebracht.

Wie Dr. Butscheid und Dr. Spyra betonen, können alle Patienten bei der Schlaganfall-Behandlung sicher sein, dass sie optimal vor einer Infektion mit SARS-CoV-2-Virus geschützt sind. Denn Patienten, die mögliche Symptome zeigen, werden schon in der Notaufnahme herausgefiltert und dann in separaten Räumen versorgt, sodass sie nicht mit den übrigen Patienten in Kontakt kommen.

Eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus ist kein Hindernis für die Schlaganfall-Therapie. Ärzte und Pflegepersonal legt zur Behandlung dieser Patienten spezielle Schutzkleidung an. Die Kommunikation über Mimik und Gesten ist so zwar nur eingeschränkt möglich, „aber wir haben gelernt, auch mit Worten auf unsere Patienten so einzuwirken, dass sie sich gut versorgt fühlen“, so Dr. Spyra.

 

Schlaganfall - das sind die Warnzeichen

 

  • Gefühl der Schwäche, Lähmung, Taubheit auf einer Körperseite
  • Sehstörungen, verschwommenes Sehen, Doppelbilder
  • Sprechstörungen, Störungen des Sprachverstehens
  • Mundwinkel hängt einseitig herab
  • Gangunsicherheit, Schwindel
  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen

 

 

 

 

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