Krankenhaus Buchholz

20.06.2019 - Den Alltag bewältigen lernen

Sprachtherapie gehört mit zur Parkinson-Komplexbehandlung

 

Eine Krankheit, die lange unbemerkt verläuft, dann aber mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Beschwerden den Alltag der Betroffenen zunehmend durcheinanderbringt, ist das Nervenleiden Morbus Parkinson. Die Neurologie im Krankenhaus Buchholz ist nicht nur auf die Diagnostik spezialisiert. Sie bietet mit der dreiwöchigen Parkinson-Komplexbehandlung auch eine stationäre Intensivtherapie, die insbesondere Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung wertvolle Hilfe leisten kann.  

Beim Parkinson kommt es zu einem Absterben der Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Da Dopamin vor allem für die Bewegungskontrolle verantwortlich ist, stellen sich bei den Betroffenen zunehmend motorische Defizite ein. Verspannte Muskeln und Gangunsicherheit sind typische Symptome. Später kommen Vergesslichkeit, Depressionen und manchmal auch Demenz dazu. Schon früh machen sich bei vielen auch Störungen des Magen-Darm-Traktes bemerkbar.

Die Erkrankung ist nicht heilbar. Eine Perspektive, die Patienten und ihre Angehörigen meist enorm belastet. Allerdings: Die medikamentöse Therapie ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass in den ersten Jahren nach der Diagnose die Zeichen der Erkrankung fast vollständig unterdrückt werden können. Ärzte sprechen von der sogenannten Honeymoon-Phase. Später kommt es zu Wirkungsschwankungen der Medikamente. Auch wird es immer schwieriger, die richtige Dosierung zu finden. Bewegungsstörungen verstärken sich, insbesondere, wenn der Patient nicht mit einem Sport- und Physiotherapieprogramm gegensteuert. Die Lebensqualität leidet. Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, ihren Zustand zu akzeptieren.  

Hausärzte und ambulant tätige Neurologen können in der Kürze der Sprechstunde kaum zuverlässig die Reaktion auf die veränderte Medikation verfolgen und auf die Patienten und ihre Angehörigen einwirken. Zunehmend gibt es eine Differenz zwischen der Selbst-Wahrnehmung der Erkrankten und ihrem tatsächlichen Befinden.

Hier springt die Parkinson-Komplexbehandlung im Krankenhaus Buchholz unter Leitung des neurologischen Oberarztes Dr. Markus Wittich ein. Die Patienten können kontinuierlich in Bezug auf ihre Symptome im Blick behalten werden. Wenn nötig, werden zusätzliche Diagnostik-Schritte unternommen. Die Therapie erfolgt interdisziplinär und multimodal: Physiotherapeuten  helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und Stürzen vorzubeugen, Ergotherapeuten trainieren mit den Patienten tägliche Abläufe wie zum Beispiel das Anziehen. Logopäden beüben mit den Patienten die Stimme, die im Verlauf der Erkrankung leise, monoton und oft heiser wird. Einen besonderen Stellenwert hat die Schlucktherapie. Schon sehr früh verlieren die meisten Kranken die Empfindung dafür, ob sie Nahrung wirklich vollständig herunterschlucken. Manches landet in der Luftröhre. Der Nährboden für manchmal schwerwiegende Lungeninfektionen.

In Arzt-Gesprächen gelingt es oft, die Patienten einzustimmen auf ihre Erkrankung. Und gemeinsam mit den Angehörigen ein neues Muster zur Bewältigung des Alltags zu finden. Wenn notwendig, vermittelt der Sozialdienst zusätzliche Hilfen.

Von besonderem Vorteil ist die Behandlung im Akutkrankenhaus für die oft älteren und an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leidenden Patienten. Denn durch die enge Vernetzung der verschiedenen Disziplinen und die gerade für das Krankenhaus Buchholz typischen kurzen Kommunikationswege kann es gelingen, Begleiterscheinungen der medikamentösen Parkinson-Therapie wie zum Beispiel Herz-Kreislaufstörungen besser in den Griff zu bekommen.

Steigend ist der Anteil der Patienten, die aufgrund von unerklärlichen Schmerz-Symptomen wie etwa hartnäckigem Rücken-, Nacken- oder Schulterschmerz in die Notaufnahme des Krankenhauses Buchholz kommen. Nicht selten ergibt die Differentialdiagnostik, dass Parkinson die Ursache ist. Auch für diese Patienten im Anfangsstadium macht die Parkinsonkomplexbehandlung Sinn, sagt Dr. Wittich. Denn sie hilft, das komplette Spektrum der Symptome aufzudecken und ein Fortschreiten durch intensive Intervention zu verlangsamen. „Fast alle Patienten berichten nach der dreiwöchigen Therapie davon, dass sich ihr Befinden stark gebessert habe“, so Dr. Wittich.

 

BU: Stimmtraining mit der Logopädin gehört zur Parkinsonkomplexbehandlung im Krankenhaus Buchholz

Foto: Krankenhaus Buchholz

BU: Leitender Oberarzt Dr. Markus Wittich


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