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Mit Blaulicht in die Blase

Die Urologen Dr. Kilian Rödder (l.) und Tim Neumann stehen im Krankenhaus Buchholz für Operationen bereit

Blut im Urin? Jetzt bitte nicht wegschauen, sondern so schnell wie möglich zum Arzt gehen. Dazu fordern Dr. Kilian Rödder und Tim Neumann, urologische Belegärzte am Krankenhaus Buchholz, auf. Denn die Blutspuren können Anzeichen von Blasenkrebs sein. Um dem Tumor frühzeitig auf die Spur zu kommen, verwenden die Urologen ein spezielles Verfahren, das für Patienten nicht belastend ist und die Genauigkeit der Diagnose beträchtlich erhöht.

Meist jenseits des 60. Lebensjahrs kann es zu bösartigen Veränderungen in der Blasenschleimhaut, in sehr seltenen Fällen auch der Niere und der oberen Harnleiter kommen. Rund 30.000 Mal im Jahr wird in Deutschland die Diagnose Blasenkrebs gestellt, bei Männern drei- bis viermal so häufig wie bei Frauen. Blasenkrebs merkt man nicht gleich. Findet der Hausarzt bei einer Vorsorgeuntersuchung verborgenes Blut im Urin, ist es Zeit für eine diagnostische Abklärung. Ist das Blut sogar offen sichtbar, bedeutet das sofortigen Handlungsbedarf, unterstreichen die Urologen Dr. Rödder und Tim Neumann.

Die Auslöser dafür, dass sich die Zellen der Blasenschleimhaut bösartig verändern, liegen oft schon Jahrzehnte zurück: Berufliche Exposition wie Arbeiten in der chemischen Industrie gehört dazu, aber auch häufiges Haarefärben. Frisöre haben nach zehn Jahren im Beruf ein vier bis fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Noch wesentlich höher ist die Gefahr, die vom Rauchen ausgeht. Bis zu 20-fach erhöht sich das Risiko für Blasenkrebs bei denjenigen, die regelmäßig zum Glimmstängel greifen. Jeder zweite Blasentumor in Europa trifft Raucher. Und auch ihre Aussichten, wieder ohne Rückfall gesund zu werden, sind offenbar deutlich herabgesetzt. Eine Blutuntersuchung allein reicht nicht, um eine sichere Diagnose zu stellen, betonen die beiden Urologen. Denn Blutbeimengungen im Urin können auch mit einer Infektion einhergehen. Goldstandard in der Diagnostik ist die Blasenspiegelung, die unter lokaler Betäubung schmerzarm in der Praxis durchgeführt werden kann. Dazu wird ein dünnes Instrument mit Lichtquelle in die Blase eingeführt und eine Gewebeprobe entnommen, die der Pathologe untersucht, um festzustellen, ob die Gewebsneubildung wirklich ein Tumor ist und wie weit er bereits ins Gewebe eingedrungen ist. Eine Computertomographie (CT) und eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel können zeigen, ob auch andere Organe vom Krebs befallen sind.

Rund dreiviertel der Gewebsneubildungen sind bei der Erstuntersuchung oberflächlich. Das Problem bei der Harnblasenspiegelung: Diese beginnenden Tumoren zeichnen sich unter Weißlicht allenfalls als blasser Schimmer auf rötlichem Gewebe ab und sind schlecht zu erkennen. Deshalb greifen die beiden Buchholzer Urologen zu einem Kunstgriff: Etwa eine Stunde vor der eigentlichen Untersuchung bringen sie einen unschädlichen Farbstoff in die Blase des Patienten ein. In Tumorgewebe reichert sich dieser Farbstoff stark an. Unter Fluoreszenzbeleuchtung, dem Blaulicht, leuchten dann selbst kleinste Tumoren rot wie eine Warnampel.

Mit einer Elektroschlinge können oberflächliche Tumoren leicht durch die Harnröhre entfernt werden. Der Patient bleibt anschließend bis zu vier Tage im Krankenhaus. In 80 Prozent der Fälle wird der Tumor rechtzeitig entdeckt, der Patient hat dann eine über 90-prozentige Überlebenschance. Allerdings haben gerade die oberflächlichen Tumoren eine starke Neigung, wiederzukehren. Regelmäßige Nachsorge - das bedeutet alle drei Monate eine Blasenspiegelung - ist deshalb für die Patienten Pflicht, wenn sie ihre zurückgewonnene Gesundheit und ihre Blase erhalten wollen, bestätigen Dr. Rödder und Tim Neumann. 

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