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Dr. Hummel gibt Patienten ihr Lächeln zurück

Mit der Maskenpflicht wird deutlich, welch große Bedeutung die Mimik in der menschlichen Kommunikation hat. Fehlt das Lächeln, werden viele Dinge anders verstanden als vielleicht gemeint. Doch bei manchen Menschen ist die Mimik auch ohne Maske dauerhaft eingeschränkt. Nämlich deshalb, weil ihr Gesichtsnerv, der den Gesichtsausdruck erst möglich macht, geschädigt ist. Dr. Jens Hummel, Chefarzt der HNO-Abteilung im Krankenhaus Buchholz, kann vielen Betroffenen mit einem mikrochirurgischen Eingriff helfen.   

 

Der Gesichtsnerv ist wie ein Kabel aufgebaut: Draußen herum eine dicke Isolierungsschicht, im Inneren feine Fasern, die die Impulse des Gehirns an die Gesichtsmuskeln weiterleiten. In der Ohrspeicheldrüse fächert der Nerv in mehrere Stränge auf, die Stirn und Augen, Wangen und den Mund versorgen.  

Manchmal versagt der Gesichtsnerv ohne erkennbaren Grund. Doch auch Stürze auf den Kopf mit Bruch des Schädelknochens, Tumoren im Ohr oder Infektionen, etwa Gürtelrose oder Borreliose, können die Funktion des Nervs in Mitleidenschaft ziehen. Häufig ist die Lähmung des Gesichtsnervs Folge eines Schlaganfalls.

Ärzte nennen die Gesichtslähmung Faszialisparese. Je nachdem, welcher Nervenast versagt,  verändert sie das Aussehen: Die Stirn zu runzeln oder zu blinzeln klappt dann plötzlich nicht mehr. Augen lassen sich nicht mehr schließen und trocknen aus. Das Lächeln wird schief oder ganz unmöglich. Essen zu kauen oder zu deutlich sprechen ist mühsam.

Oft treten die Störungen nur einseitig auf. Auf Dauer verkümmern die Gesichtsmuskeln, weil sie nicht mehr durch Nerven aktiviert werden. Ganze Gesichtspartien wie etwa die Augenbrauen sacken ab. Das schmälert nicht nur die Lebensqualität, sondern nagt am Selbstbewusstsein.

Dr. Jens Hummel hat sich auf die Rekonstruktion des Gesichtsnervs und der Gesichtsmuskeln spezialisiert. Er sagt: „Grundsätzlich gilt, dass eine frühe Behandlung die Aussichten erhöht, dass sich die Nervenfunktion dauerhaft erholt.“ Allerdings geben sich manche Störungen von allein wieder und auch Nerven wachsen manchmal nach und verbinden sich erneut mit dem dazugehörigen Muskel. Den richtigen Zeitpunkt zu finden, an dem eingegriffen werden sollte, ist deshalb nicht ganz leicht.

Bei der Beurteilung der individuellen Heilungschancen wird Dr. Hummel deshalb durch die neurologische Abteilung des Krankenhauses Buchholz unter der Leitung von Chefarzt Dr. Felix Butscheid unterstützt. Die Neurologie führt  bei den Patienten eine Elektromyographie durch, bei der die elektrische Spannung der Muskeln und damit die Funktionstüchtigkeit des Gesichtsnervs gemessen wird.  Anhand dieser Datenbasis entscheiden Dr. Hummel und Dr. Butscheid, ob eine Operation nötig ist und Erfolg verspricht.   

Oft zeigt die Untersuchung auch, dass ein Ast des Gesichtsnervs gerissen ist. In solchen Fällen näht Dr. Hummel den Nerv wieder zusammen - eine Operation, bei der er durch ein Mikroskop schaut. Manchmal ist es nötig, den zerstörten Nerv mit Hilfe von Ersatzgewebe wiederherzustellen. Dann entnimmt Dr. Hummel ein Stück Nervenmaterial aus dem Hals oder dem Unterschenkel des Patienten, um die schadhafte Stelle zu überbrücken.

Nach einem Schlaganfall kann es vorkommen, dass einer der drei Stränge des Gesichtsnervs gar keine Impulse mehr weiterleitet. Dann konstruiert Dr. Hummel eine Nervenumleitung. Funktioniert beispielsweise der Stirn- und Augennerv nicht mehr, legt er ein Stück von einem anderen anderen Nerven, beispielsweise dem der Zunge, direkt zum Auge. Der Patient kann nun mit einer Bewegung der Zunge das Auge schließen. Eine Fähigkeit, die erlernt werden muss. „Ein halbes Jahr Übung braucht das schon, aber die Patienten nehmen das gern an“, sagt Dr. Hummel.

Wer sich solche langen, viel Geduld verlangenden Therapien ersparen möchte, sollte Störungen der Mimik nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern möglichst bald zum Arzt zu gehen, rät der Experte. Doch selbst wenn der ideale Zeitpunkt für einen rekonstruktiven Eingriff verpasst ist, kann der erfahrene Chirurg Patienten helfen: Fehlt die Muskelkraft, um das Auge zu schließen, legt der HNO-Arzt ein Platingewicht in das Oberlid ein. Mechanik ersetzt nun die Muskelkraft und der Lidschluss ist wieder hergestellt. Sind die Brauen abgesunken, entfernt er die überschüssige Haut, um wieder das richtige Höhenverhältnis herzustellen. Und wenn der Mundwinkel hängt, entnimmt Dr. Hummel Muskelhaut aus dem Oberschenkel, die er in einer Schlaufe um das Jochbein legt, um so den Mundwinkel anzuheben und mit viel Feingefühl ein symmetrisches Gesicht zu rekonstruieren - und sich dabei ein bisschen wie ein Bildhauer zu fühlen, der den Patienten ihr Lächeln zurückgibt.

Nach solchen Kunstgriffen ist es auch für Dr. Hummel immer wieder ein emotionaler Moment, wenn seine Patienten nach der Operation zum ersten Mal in den Spiegel schauen und feststellen, dass sie ihr gewohntes Gesicht zurückbekommen haben.

 

BU: Chefarzt Dr. Jens Hummel zeigt an einem Schädelmodell, wo der Gesichtsnerv verläuft

Foto: Krankenhaus Buchholz

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