Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarkes

Bei der MS handelt es sich um Läsionen der fetthaltigen Hülle des Nervens (des Myelins). Diese Hülle ist für die hohe Nervenleitgeschwindigkeit der Impulse verantwortlich, folglich kommt es zu einer Verlangsamung der Nervenimpulsleitung vom und zum Gehirn. Die entzündlichen Veränderungen (Entmarkungen) heißen Plaques, welche sich im Gewebeschnitt als Verhärtung (sklerosiert) darstellen. Wie der Name schon in sich birgt, findet sich diese Verhärtung an vielen (multiplen) Bereichen von Gehirn und Rückenmark.

Die Ursache der MS ist noch nicht bekannt. Man weiß, dass es zu einer Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems kommt. Als Ursache für diese Fehlreaktion werden Virusinfektionen angenommen. Aufgrund dieser Fehlverarbeitung des körpereigenen Immunsystems kommt es dann anstelle der Zerstörung von Viren zu einer sog. Autoimmunreaktion. Weiße Blutkörperchen werden im Blutkreislauf aktiviert, welche letztendlich das Gehirn und das Rückenmark und hier besonders das Myelin angreifen und teilweise zerstören.

Die MS ist nicht vererblich. Man weiß jedoch, dass es eine bestimmte sogenannte genetische Disposition gibt, d. h., dass Familienangehörige von MS-Patienten ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben.

Das mittlere Erkrankungsalter bei Multipler Sklerose liegt bei etwa 33 Jahren. Die Symptome der MS sind vielgestaltig und treten zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten des Zentralnervensystems auf. Nicht selten werden die ersten Beschwerden und Symptome im Rahmen einer Multiplen Sklerose nicht dieser Erkrankung zugeordnet und sind häufig auch nur vorübergehend, sodass sowohl der Patient als auch der Arzt gleichermaßen verunsichert sind.

Häufige bei der MS auftretende Symptome sind:

  • Sehstörungen mit verschwommenem Sehen und Doppelbildern.
  • Koordinationsstörungen mit Gangunsicherheit und Ungeschicklichkeit von Armen und Beinen.
  • Lähmungen von Armen oder Beinen, häufig mit einer vermehrten Steifigkeit einhergehend.
  • Empfindungsstörungen mit Kribbeln, Taubheit oder Missempfindungen an verschiedenen  Körperregionen. Auch schmerzhafte Sensibilitätsstörungen können an den Gliedmaßen auftreten.
  • Sprechstörungen mit einer langsamen oder auch undeutlichen Sprache.
  • Harnblasen- und Darmkontrollverlust mit einem nicht unterdrückbarem Harndrang oder einer unwillkürlichen Entleerung von Harn oder Stuhl.
  • Sexualitätsstörungen mit Impotenz oder Empfindungsausfall.
  • Störungen von Gedächtnis- und geistiger Leistungsfähigkeit, welche sich durch Merkfähigkeits- oder Kurzzeit- sowie Konzentrationsstörungen äußern oder im Rahmen einer allgemeinen Schwäche wahrgenommen werden.

Bei all diesen Symptomen sei an dieser Stelle betont, dass alle diese Störungen einzeln oder auch kombiniert bei anderen Erkrankungen des Nervensystems vorkommen können und nicht immer nur durch eine MS verursacht sein müssen.

Therapie

All diese eben genannten Symptome können einzeln oder kombiniert im Rahmen eines akuten Schubes einer MS auftreten. Im Rahmen dieser akuten Schübe kommt es nicht selten zur Aufnahme in ein Krankenhaus. Sollten Patienten mit einer Verdachtsdiagnose im Rahmen eines solchen Schubes im Krankenhaus Buchholz aufgenommen werden, wird in Abhängigkeit von der Schwere des Schubes und des Verlaufs des Schubes möglichst rasch mit einer hochdosierten Cortison-Gabe als Infusion meist über fünf Tage begonnen (Hochdosis-Steroid-Pulstherapie).

Diese hochdosierte Cortison-Gabe ist nur unter stationären Bedingungen ratsam. Ziel dieser Therapie ist es, den akuten Schub und dadurch entstehenden Schaden am Nervensystem so gering wie möglich zu halten bzw. den Schub dadurch abzukürzen.

Sollte ein Schub bei einem Patienten nicht behandelt werden, ist davon auszugehen, dass dieser im Rahmen von sechs bis acht Wochen von allein zurückgeht. Auch hier sei betont, dass der dadurch angerichtete Schaden im Nervensystem in den meisten Fällen größer ist als durch Schübe, die rasch durch die oben genannte Corticoidgabe behandelt werden.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose ist nur schwer vorhersagbar. Etwa 60 bis 70 Prozent der Patienten haben lediglich – jedoch auch in unterschiedlicher Frequenz – einzelne Schübe, welche vollständig und zum Teil mit nur leichten Defiziten sich zurückbilden bzw. behandeln lassen. Die übrigen 30 Prozent der Patienten haben entweder einen nach einer Vielzahl von Schüben chronischen Verlauf oder haben bereits zu Beginn der Erkrankung einen chronischen Verlauf der Multiplen Sklerose. Diese sog. primär- oder sekundär-chronisch-progredienten Verlaufsformen gehen mit schleichender und gleichmäßiger Zunahme von Symptomen meist über mehrere Jahre einher. Diese langsame Zunahme der Symptome und Beschwerden der Patienten können durchaus im Verlauf zum Stillstand kommen, können jedoch auch zu einer kontinuierlich fortschreitenden Behinderung bis hin zur Rollstuhlpflichtigkeit führen.

Die Diagnostik und Behandlung durch uns

Wenn Sie als Patient im Krankenhaus Buchholz mit der Verdachtsdiagnose einer Multiplen Sklerose zur Aufnahme kommen, wird zunächst eine neurologische Untersuchung durch den Sie behandelnden Arzt durchgeführt. Anschließend werden dann eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose der Multiplen Sklerose entweder stellen zu können oder andere Ursachen für die Beschwerden, mit denen Patienten zu uns kommen, zu finden.

Um die Diagnose einer Multiplen Sklerose zu stellen ist es wichtig zu wissen, dass man die Multiple Sklerose nicht durch einen speziellen Laborwert oder an einem bestimmten Untersuchungsergebnis festmachen kann. Vielmehr ist es notwendig, dass die Diagnose einer Multiplen Sklerose von einem erfahrenen Neurologen gestellt wird. Es sind eine Vielzahl von Untersuchungen notwendig, die einzeln für sich wie Mosaiksteine das "Bild" der Multiplen Sklerose und somit die Diagnose ergeben.

Zu diesen Untersuchungen gehören:

  • die elektrische Stromreizung (evozierte Potentiale)
  • eine Kernspintomographie des Gehirns oder ggf. des Rückenmarks
  • die Lumbalpunktion
  • Laboruntersuchungen

Sollte sich in der Zusammenschau der Untersuchungsergebnisse und des neurologischen Untersuchungsbefundes die Diagnose einer MS ergeben, werden die Patienten im Krankenhaus ausführlich über die Diagnose und die Erkrankung aufgeklärt. Im Rahmen dieser Aufklärungsgespräche und der Akuttherapie des Schubes beraten wir unsere Patienten über die Möglichkeiten zur Therapie der Multiplen Sklerose. Wir stehen den Patienten im Rahmen dieser Gespräche natürlich auch zu Fragen über die Auswirkungen auf die Berufstätigkeit/Kinderwunsch zur Verfügung. Patienten mit der Diagnose einer Multiplen Sklerose stehen im Krankenhaus neben den Gesprächen mit den behandelnden Ärzten auch Literatur und Videofilme zur Verfügung. Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft, mit der wir auch in regelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen für Patienten und Angehörige durchführen.

Für die Behandlung des akuten Schubes steht neben der bereits genannten Cortison-Behandlung und der Physiotherapie sowie zahlreichen symptomatischen Therapiemöglichkeiten im Rahmen des akuten Schubes auch eine das Immunsystem unterdrückende oder verändernde Therapie zur Verfügung. Diese Therapie nennt sich Schubprophylaxe und wird bei einer bestimmten Patientengruppe und einer bestimmten Verlaufsform der Multiplen Sklerose eingesetzt.

Schubprophylaxe

Auch diese Schubprophylaxe wird mit dem Patienten bei dem Vorliegen einer Multiplen Sklerose diskutiert und ggf. auch schon begonnen. Es stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Schubprophylaxe bzw. Immunsuppression und Immunmodulation im Rahmen der Multiple-Sklerose-Behandlung zur Verfügung (Interferone). Bei ganz bestimmten Patienten und besonders schweren Verläufen ist in manchen Fällen die Gabe von Zellgiften (Zytostatika), wie sie in der Krebstherapie genutzt werden, notwendig. Bei der MS ist besondes das Mitoxantron als wirksame Chemotherapie bei der Behandlung einer schweren MS gut untersucht. In enger Zusammenarbeit mit der Onkologischen Abteilung des Krankenhauses Buchholz können wir Patienten diese Therapieform als ambulante interdisziplinäre Therapieform anbieten.

Neben diesen das Immunsystem betreffenden Therapien stehen selbstverständlich auch auf die einzelnen Symptome abzielende Therapieoptionen zur Verfügung. Neben der medikamentösen Therapie einzelner Beschwerden stehen bei Sprachstörungen die Logopäden sowie bei Fragen zur Hilfsmittelversorgung die Physiotherapeuten und Ergotherapeuten dem Patienten mit der Diagnose einer MS im Krankenhaus Buchholz zur Verfügung. Sowohl Logo- wie auch Ergo- und Physiotherapie können während des stationären Aufenthaltes und auch im weiteren Verlauf ambulant fortgeführt werden.

 

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