Krankenhaus Buchholz

28.11.2017 - Sie sind die Pflegekräfte der Zukunft

 

Pia Lückert (21) und Soumaija Tahir (23) sind „Versuchskaninchen“. Und froh darüber. Als erste absolvieren sie den neu geschaffenen dualen Ausbildungsgang Pflege an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Buchholz und der privaten „hochschule21“ in Buxtehude. Jetzt sind sie mitten im 4. Semester. In zweieinhalb Jahren werden sie sowohl ein Examen als Gesundheits- und Krankenpflegerin als auch einen Bachelor-Abschluss in Pflege vorweisen können.

Gemeinsam mit einer weiteren Teilnehmerin, die bereits Berufserfahrung hat, genießen sie Vorlesungen im vorläufig noch exklusiven Dreier-Rahmen. Die Dozenten - vom Psychologen bis zum Qualitätsmanager – kommen oft von außerhalb der Hochschule, was die Sache für die Studentinnen noch praxisnäher macht. Acht bis zehn Vorlesungen besuchen sie derzeit pro Semester. Das ist im Moment noch Studium light und überfordert die plietschen Abiturientinnen nicht.

Während die letzten anderthalb Jahre der dualen Ausbildung allein dem Studium vorbehalten sein werden, liegt der Schwerpunkt im Moment noch in der Krankenpflegeschule. Der theoretische Unterricht wird ergänzt durch Arbeit auf der Station. „Die Lerninhalte werden an der Hochschule wesentlich intensiver vermittelt, vermutlich deshalb, weil wir eine kleine Lerngruppe sind“, hat Pia beobachtet. Aber auch die Herangehensweise sei eine andere, berichten die Studentinnen. Im dritten Semester war Verhaltenspsychologie ihr Thema,

gerade beschäftigen sich die beiden jungen Frauen mit der Pflegediagnose. „Man kann Rückschlüsse auf unsere Arbeit auf der Station ziehen, gewinnt eine kritische Distanz und kann Fragen stellen“, sagen sie.

Genau das ist das Ziel, das Eva Husung, stellvertretende Schulleitung mit ihren Bemühungen um eine stärkere Akademisierung der Pflegeberufe verfolgt. „Die Pflege von morgen wird sich angesichts der wachsenden Zahl von multimorbiden Patienten neuen Herausforderungen stellen müssen“, sagt sie. Intuitives, erfahrungsbasiertes Handeln reiche dann nicht mehr aus. „Wir brauchen eine wissenschaftlich-kritische Herangehensweise. Das Studium versetzt die Mitarbeiter in die Lage, neue Konzepte zu entwickeln“, so Husung weiter.

Von dieser Neubewertung ist die Pflege in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit noch weit entfernt.  Sowohl Eva Husung als auch die beiden Studentinnen haben beobachtet, dass ein Pflegestudium von den meisten Schulabsolventen als unnützer Aufwand und Zeitverschwendung gesehen wird. Die dualen Studentinnen wissen es besser: Soumaija braucht den Bachelor-Abschluss, weil sie davon träumt, später auch im Ausland arbeiten zu können. „Dort haben alle Pflegekräfte ein Studium“, berichtet sie. Pia genießt die Abwechslung zwischen Hochschule und Station und die Tatsache, dass sie beim Studieren von Anfang an Geld verdient, nämlich das normale Ausbildungssalär plus 100 Euro Zuschuss vom Krankenhaus, um die monatlichen Studienkosten von 270 Euro tragen zu helfen. „Warum sollte ich dieses tolle Angebot liegen lassen?“ fragt sie. Wo sie sich später engagieren möchte, weiß sie noch nicht: als leitende Mitarbeiterin in der Pflege, im Qualitätsmanagement, bei einer Krankenkasse? Oder lieber einen Masterabschluss machen und in die Wissenschaft gehen? Pia und Soumaija stehen alle Wege offen.

Weitere Infos zum dualen Pflegestudium bei der Gesundheits- und Krankenpflegeschule des Krankenhauses Buchholz, Tel. 04181 – 131072, www.krankenhaus-buchholz.de; und bei der „hochschule 21“, Tel. 04161-648-0, E-Mail info@hs21.de, www.genialdual.de.

 

 

 


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