Urogynäkologie

Die Urogynäkologie befaßt sich mit der Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz sowie der Senkungsbeschwerden des weiblichen Genitale. Im Rahmen einer von der Deutschen Kontinenzgesellschaft anerkannten Beratungsstelle werden hier urodynamische Untersuchungen ausgeführt um eine Unterscheidung der verschiedenen Formen der Harninkontinenz vornehmen zu können.
Wichtig ist es, das Thema "Harninkontinenz" bei der Frauenärztin oder dem Hausarzt anzusprechen um sich dann gemeinsam dem Problem widmen zu können. Eine Blasenschwäche ist keinesfalls immer als "Schicksal" hinzunehmen. Diagnostik und Therapie haben sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Oftmals reicht ein unproblematischer Eingriff und es läßt sich die alte Lebensqualität wiederherstellen.
Eine exakte Diagnose ist  auch hier die Basis für  eine erfolgreiche Therapie. Ganz einfache Dinge, wie eine genaue Charakterisierung der Beschwerden, das Führen von Miktionsprotokollen mit Einfuhr- und Ausfuhrkontrollen können schon richtungsweisen für die Diagnose sein. Harninkontinenz sollte eher als Symptom, dessen Ursache zu klären ist, aufgefasst werden. Apparative Untersuchungen können dann die letzte Klarheit bringen. 

Die Zystotonometrie beinhaltet die Messung des Harnblasendruckes (Urethraruhedruckprofil, Urethrastreßdruckprofil, Wasserzystometrie). Eine Untersuchung die nicht schmerzhaft und allgemein wenig belastend ist. Zur Beurteilung der Harnblase ist in vielen Fällen zusätzlich eine Blasenspiegelung durchzuführen. Hierbei ist es dem Untersucher möglich, die Einmündung der Harnleiter in die Blase, die Harnblasen-"Innenhaut", Blasensteine oder gelegentlich auch Harnblasentumore und evtl. vorhandene Ausstülpungen der Blasenwand zu beurteilen.
Ultraschalluntersuchungen (Introitussonografie) zur Lagebeurteilung der Harnblase und laborchemische und mikrobiologische Untersuchungen des Harns runden die Diagnostik ab. Im Anschluß wird gemeinsam mit der Patientin ein Konzept zur Therapie der Beschwerden erarbeitet. Dabei finden nicht-operative wie auch operative Maßnahmen Anwendung. Zu den nicht -operativen Therapien der Harninkontinenz gehören physiotherapeutisch-physikalische, medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungen. Diese werden dann initiiert und von den einweisenden Frauenärzten, Hausärzten oder Urologen fortgeführt.  

Nicht immer ist eine Operation bei Harninkontinenz zu vermeiden. Dann ist es möglich, sich wegen einer Harninkontinenz oder einer Senkungserkrankung in unserer Gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung operieren zu lassen. Es werden alle gängigen Operationen bei Harninkontinenz durchgeführt u.a. bestehen sehr gute Erfahrungen mit spannungsfreien Bändern, die zur Therapie der Blasenschwäche eingesetzt werden (TVT®, Tensionfree Vaginal Tape, Serasis®). Hierzu wird in einem operativen Eingriff ein Kunststoffbändchen unter die Harnröhre gelegt, welches dann die Verschlussmechanismen der Harnblase unterstützt und eine Belastungsharninkontinenz erfolgreich behandeln kann. Die Operation dauert nur ca. 30-45 Minuten und nach einem 2tägigen stationären Aufenthalt werden die Patientinnen wieder nach Hause entlassen. Diese Operationsmethode wurde 1995 von Prof. Ulmsten erstmals beschrieben. Weltweit sind nach dieser Methode tausende Patientinnen erfolgreich operiert worden und es gibt mittlerweile eine Reihe von Modifikationen dieser Technik. Diese Operation gehört zu den Routineeingriffen unserer Abteilung. Die Ergebnisse sind vergleichbar mit denen größerer klinischer Studien.

Schwere körperliche Arbeit, Bindegewebsschwäche oder auch Geburten schwerer Kinder sind oftmals Ursache für Senkungen des Beckenbodens, der bis zum Vorfall von Blasenwand, Gebärmutter oder Mastdarm führen kann. Nach Ausschöpfung aller nicht operativen Behandlungsmöglichkeiten wie Beckenbodentraining, Elektrotherapie und medikamentöser Behandlung mit Östrogen, macht sich oftmals eine operative Korrektur erforderlich. Viele Jahrzehnte war es üblich, Raffungen der Scheidenwände und des Beckenbodens durchzuführen, was allerdings häufig zum Wiederauftreten (Rezidiv) führte. Wir nutzen ein neues Verfahren zur Rekonstruktion des Beckenbodens. Bei schweren Senkungserkrankungen der Gebärmutter und/oder der Scheide ist die Implantation von Kunststoff-Netzen zur Rekonstruktion des Beckenbodens fest etabliert (Gynecare Prolift® , Seratom®) Prinzip ist es, dass eine zusätzlich tragende Struktur (das Netz) im Bereich des Beckenbodens implantiert wird und damit die inneren Organe "getragen" und der Beckenboden stabilisiert wird. Diese Methode ist auch für ältere Patientinnen, die besonders häufig unter einem Gebärmuttervorfall leiden, gut geeignet. Es ist längst nicht immer erforderlich bei diesen Operationen die Gebärmutter zu entfernen. Bei den Nachkontrollen bescheinigten uns unsere Patientinnen, die auf diese Weise operiert wurden, höchste Zufriedenheit mit dem Ergebnis.
Das Spektrum der urogynäkologischen Operationen umfaßt konventionelle Techniken, Implantationstechniken von spannungsfreien retropubischen wie auch intraobturatorischen Suburethralschlingen und Bändern, die Implantation von vorderen, hinteren und kompletten Netzen zur Überwindung der Beckenbodenschwäche sowie abdominaler oder laparoskopischer Scheidenfixationen im Becken und entspricht damit höchsten Ansprüchen moderner operativer Urogynäkologie.

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